Schuld ist das drüsige Springkraut

Ich liebe meinen Beruf. Und ich lebe ihn. Heisst: Egal, wo ich bin, ich halte immer die Augen offen und bin auf der Suche nach spannenden Geschichten. Feierabend in diesem Sinne gibt es kaum, denn es könnten überall Schätze verborgen sein. Selbst auf dem Sofa bei einem Filmabend können die Ideen kommen. Wie hoch ist eigentlich der Salzgehalt in den einzelnen Chipssorten? Wie lange muss man für eine Minute Film drehen? Wann wird der nächste Schweizer Film produziert?

 

Dass ich nie 100 Prozent abschalten kann, ist kein Problem. Weil ich meinen Beruf eben liebe. Wieso? Einerseits hoffe ich immer, mit meinen Texten andere Menschen begeistern zu können, und wenn mir das gelingt, freue ich mich sehr. Ausserdem bin ich gerne daran beteiligt, für die Leser ein ansprechendes, interessantes Produkt zu gestalten. Vor allem aber mag ich es, dass ich dabei täglich Neues lerne. Ich treffe neue Menschen, sehe neue Orte oder muss mich in völlig neue Themen eindenken. So wie damals, als ich mit löchrigen Fitnessschuhen über den nassen Waldboden spazierte, mit Kamera, Tasche, Block und Stift ausgerüstet, und ein paar Zivildienstleistende interviewte, die dem Drüsigen Springkraut (das die einheimischen Pflanzen verdrängt) den Garaus machten. Denn mal ehrlich: Nie im Leben hätte ich so viel über das Drüsige Springkraut gelernt – wohl nicht einmal je davon gehört –, wenn ich einen anderen Beruf hätte.

 

Das Drüsige Springkraut ist nur eines von vielen Beispielen. Ich hätte vielleicht nie die Dreharbeiten des neuen Zwingli-Films miterleben können, hätte nie auf einem Schneetöff eine Langlaufloipe besichtigt, hätte nie Nordic Skating ausprobiert, eine Hopfenwurst gegessen oder die Bobbahn mitten im Dinharder Wald entdeckt.

 

All diese Dinge, die unterschiedlichen Menschen und ihre Leidenschaften begeistern mich von Tag zu Tag.  

Kommentar schreiben

Kommentare: 0